Im Gespräch mit Bürgermeisterin Elisabeth Feichtinger, Altmünster

07.01.2016

Elisabeth Feichtinger (SPÖ) ist seit Oktober 2015 Bürgermeisterin der Marktgemeinde Altmünster. Sie kam mit 21 Jahren in den Gemeinderat und wurde 2014 als erste Frau Vizebürgermeisterin der Traunseegemeinde. Altmünster, am westlichen Seeufer gelegen, hat ca. 9.600 Einwohner und eine Gemeindefläche von 79 km.

 

Beate Pühringer: Worin besteht und bestand Ihre Motivation, sich politisch zu engagieren?

 

Elisabeth Feichtinger: Es gab Gespräche mit Menschen in meinem Umfeld, wo Kritik an bestimmten Bereichen in der Gemeinde geäußert wurde, z. B. „leistbares Wohnen“. Viele junge Menschen können es sich nicht mehr leisten, in der Gemeinde zu wohnen und ziehen daher weg. Ich war der Meinung, wenn sich etwas ändern soll, dann muss ich selbst aktiv werden. Ich kam daher schon mit 21 Jahren in den Gemeinderat, wurde 5 Jahre darauf Vizebürgermeisterin und bin seit der letzten Bürgermeisterstichwahl am 11.10.2015 Bürgermeisterin der Marktgemeinde Altmünster.

 

Beate Pühringer: Seit 23. Oktober 2015 gibt es neue Möglichkeiten für Bürger-Initiativen und die Initiierung von Volksbefragungen. Was haben Sie für Erwartungen, wie und in welchem Umfang das in Ihrer Gemeinde genutzt werden wird?

 

Elisabeth Feichtinger: Es gab schon früher Bürgerinitiativen in der Gemeinde – im Zusammenhang mit der Verkehrssituation an der B145. Ich denke, dass diese neuen Möglichkeiten früher oder später gut angenommen werden, vor allem im Ortsteil Altmünster. Auch in den kleineren dörflichen Strukturen unserer Gemeinde wird es, meiner Meinung nach, dazu kommen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen werden.

Es bestehen sicher auch Unterschiede zwischen Stadt und Land. Im urbanen Bereich nehmen die Menschen das Neue oft schneller an, am Land ist man zum Teil eher abwartend und sieht sich die ganze Sache mal an. Ich habe es auch in den letzten Monaten gesehen, dass die Leute manchmal zuerst einen kleinen Anstoß brauchen, damit sie merken, dass auch sie eine Stimme haben, die gehört wird.

Von Seiten der Gemeindeverwaltung in Altmünster haben wir diese gesetzliche Änderung derzeit einmal zur Kenntnis genommen – es war jetzt noch nicht das große Thema. Und man wird sich dann darauf einstellen und die nötigen Schritte setzen, wenn die ersten Bürger-Initiativen eingebracht werden.

  

Beate Pühringer: Sind mit dem neuen Gesetz aus Ihrer Sicht nun ausreichende Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger vorhanden oder gäbe es für Sie noch wünschenswerte Weiterentwicklungsmöglichkeiten?

 

Elisabeth Feichtinger: Es ist ein guter Anfang gemacht. Man sollte nun beobachten, wie sich das Ganze entwickelt, bevor man weitere Schritte überlegt. Wenn es von der Bevölkerung gut angenommen wird, sollte man sicher auch noch intensivere Möglichkeiten anbieten. In welche Richtungen das gehen wird, kann ich aus jetziger Sicht aber noch nicht beurteilen.

 

Beate Pühringer: Wie vermittelt sich die lokale, aber auch die überregionale Politik aus Ihrer Sicht den Bürgerinnen und Bürgern? Was braucht es, damit Politik als gemeinschaftliche Aufgabe erlebt wird?

 

Elisabeth Feichtinger: Das Persönliche ist ganz wichtig und nicht die Funktion als Bürgermeisterin. Man muss bei den Menschen sein, sich ihre Wünschen und Sorgen anhören und sich dieser Anliegen auch annehmen. Dann fühlen sie sich gehört und miteinbezogen. Den Leuten ist natürlich klar, dass nicht alles umgesetzt werden kann. Aber man muss es zumindest versuchen. Das ist für mich ein ganz besonders wichtiger Ansatz, der –meiner Meinung nach – in den letzten Jahren verloren gegangen ist. Es hat sich eine gewisse Hierarchie gebildet, wo auf der einen Stufe die Politik und die Politiker stehen und auf einer anderen die Bevölkerung. Bei den Wahlen wollen die Politiker dann gewählt werden und in den nächsten 5 Jahren hört man nichts mehr von ihnen – so empfinden es die Menschen jedenfalls. Bei mir kommen tagtäglich Bürgerinnen und Bürger und ich besuche sie auch. Es gibt nach wie vor auch die Bürgergespräche. Im Wahlkampf habe ich Kärtchen verteilt mit der Aufschrift „Sie kochen den Kaffee, ich bringe den Kuchen!“ – diese Einladung zum Bürgergespräch gilt auch heute noch. Es ist sehr wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und auch in Kontakt zu bleiben.

 

Beate Pühringer: Das bedeutet aber auch viel persönlichen Einsatz?

 

Elisabeth Feichtinger: Natürlich, aber es ist nicht nur ein Geben, sondern man bekommt von den Menschen auch sehr viel zurück – viele positive Emotionen und auch wichtige Informationen. In so einer großen Gemeinde wie Altmünster mit ungefähr 9.700 Einwohnern und 80 km2 Gemeindefläche, wo sich viel tut, ist es wichtig, bei den Leuten zu sein, damit man erfährt, wo es Probleme gibt. Das wirkt auch auf die Gesamtbevölkerung, wenn man dann die Verbesserungen im Lebensumfeld sieht – und das macht auch das Lebenswerte in so einer Gemeinde aus. Und dazu kann ich als Politikerin etwas beitragen. Das ist einfach Teil meines Amtsverständnisses und das möchte ich auch in Zukunft beibehalten. Dieses einfache Instrument kann jeder anwenden – es braucht dafür nur eine Portion Menschenverständnis bzw. Menschenkenntnis. Aber diese Eigenschaften sollte man als Politiker ohnehin mitbringen.

 

Beate Pühringer: Wie sind Ihre Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung und bürgerschaftlichem Engagement?

 

Elisabeth Feichtinger: Bürgerinitiativen im Zusammenhang mit der B145/Umfahrung Altmünster gab es schon seit den 1970er Jahren. Vor ein paar Jahren wurde gegen den Transitverkehr auf der B145 wiederum eine Bürgerinitiative gegründet, im Besonderen gegen die sog. „Mautflüchtlinge“. Die Diskussion verlief, meines Wissens nach, sehr sachlich. Es wurden Videoaufnahmen und Zählungen des Verkehrsaufkommens gemacht, das wurde dokumentiert und in der Gemeinde eingebracht. Nachdem die Gemeinde selbst in dieser Sache nicht unmittelbar zuständig war, wurde es in weiterer Folge an die Bezirkshauptmannschaft gerichtet. Die Bürgerinitiative forderte eine verstärkte Kontrolle und die Verhängung von Strafen gegen die „Mautflüchtlinge“. Diese Bürgerinitiative hat sich damals auch vernetzt mit weiteren Bürgerinitiativen bis hinein nach Bad Goisern, da es ja ein gemeindeübergreifendes Thema ist.

 

Beate Pühringer: Wie sehen Sie die generelle gesellschaftliche Entwicklung: Wird es in Zukunft mehr Bürgerinnen- und Bürgerengagement geben?

 

Elisabeth Feichtinger: Früher haben die Bürger für eine Sache gekämpft – unabhängig, ob sie nur selbst betroffen waren oder es auch für die Allgemeinheit war. Heute setzen sich die Menschen vor allem dann intensiv ein, wenn es um ihre eigenen Interessen geht und nicht um die Anliegen der anderen. Früher hat man für das „große Ganze“ gekämpft und heute kämpft man in Gruppen für einzelne Befindlichkeiten. Ich würde mir wünschen, dass sich dieser Trend wieder etwas umkehrt und es mehr um das Gemeinschaftliche und weniger um die einzelnen Befindlichkeiten geht.

 

Beate Pühringer: Wie kommt der Nachwuchs mit der örtlichen Politik in Berührung?

 

Elisabeth Feichtinger: Seit einigen Jahren gibt es das Angebot, dass die Volksschulkinder ins Gemeindeamt kommen. Sie können dabei einen Vormittag im Gemeindeamt miterleben. Für nächstes Jahr ist erstmals ein Tag der offenen Tür für alle Gemeindebürger/innen geplant, bei dem das Gemeindeamt, der Wirtschaftshof und das gemeindeeigene Altenwohnheim mitwirken. Dabei soll die Bevölkerung die Möglichkeit haben, sich die Gemeindeverwaltung unabhängig von einem konkreten Anliegen näher anzusehen. Dadurch soll die „Barriere“ zwischen Verwaltung und Bürgern beseitigt werden. Wir als Gemeindeverwaltung wollen uns als Servicestelle für die Bevölkerung präsentieren.

Nachdem wir vom Kindergarten bis zum Gymnasium eine große Bandbreite an Bildungseinrichtungen haben, möchte ich auch hier verstärkt den Kontakt suchen, damit künftig vielleicht gemeinsame Projekte entstehen können. Nächstes Jahr wird auch ein gemeindeübergreifendes Jugendparlament mit Jugendlichen aus Altmünster und den umliegenden Gemeinden und jungen Gemeinderatsmitgliedern jeder Fraktion eingerichtet, bei dem Ideen entwickelt werden sollen und es auch ein fixes Budget für Umsetzungsmaßnahmen gibt. Damit schafft man die Verbindung von jungen Menschen zur Politik, damit sie sehen können, dass sie selbst sehr wohl auch mitgestalten und etwas umsetzen können.

green
Beate Pühringer

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1 Kommentare
green
Margit Grafinger | 13.01.2017

S.g. Frau Pühringer ! Elisabeth Feichtinger war nicht die erste Frau als Vizebürgermeisterin der Marktgemeinde Altmünster. Es gab bereits vorher Frau Vbgm. a.D. Sigrid Spießberger. LG

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